Mahnmalfeier 2012

06.05.2012 | Mahnmalfeier 2012
   
Bericht über die Befreiungsfeier am 6. Mai 2012



In
Vielfalt vereint


Das Mauthausen Komitee Gallneukirchen konnte am Sonntag 6. Mai 2012 18.30
Uhr bei der Befreiungsfeier beim Mahnmal für den Frieden ca. 150 Besucher
begrüßen. Wegen Regenwetters musste die Feier in den überdachten Eingang zur
Fleischmanufaktur Riepl nebst dem Mahnmal verlegt werden.



Begrüßung mit Erinnerung an die Intentionen des Mahnmales


Für die Veranstalter begrüßte Mag. Rupert Huber die Feier mit jener Frage,
die sich Kulturträger von Gallneukirchen 2002 stellten Ja warum denn sollen
wir ein Mahnmal errichten? Die Antwort war: ein Mahnmal für den Frieden zu
errichten soll nicht ein einmaliges Ereignis sein, sondern ein Mahnmal
braucht auch immer das Gespräch, dass die Erinnerung aufrecht bleibt, und
besonders wichtig muss uns sein, Jugendliche zur aktiven Erinnerung gegen
das Vergessen und Verdrängen zu gewinnen.


Deshalb begrüßte der Sprecher zuerst mit großer Freude die Jugend auf der
Bühne. Frau Bettina Eigner mit einer Gruppe der Katholischen Jugend
Gallneukirchen, das Jugendorchester der Stadtkapelle Gallneukirchen, das
Stadtkapellchen unter Leitung von Herrn Marian Marc Margowski, und den
Festredner, den Schriftsteller Ludwig Laher.


Altbürgermeister und Ehrenbürger Mag. Walter Böck, die Herrn Pfarrer Mag.
Klaus Dopler und Günter Wagner, Landtagsabgeordneter Josef Eidenberger, Herr
Peter Weidner, Sprecher des Verbandes der Freiheitskämpfer Österreichs sowie
Frau Bürgermeisterin Gisela Gabauer, Herr Bürgermeister Josef Moser aus
Altenberg, Vizebürgermeister Dietmar Wiesinger und Vizebürgermeister Mario
Moser-Luger aus Engerwitzdorf und Mitglieder des Stadt- und Gemeinderates
beehrten mit ihrem Besuch diese Feier.



Diese Feier ist eine Befreiungsfeier, wir erinnern:


Unser Land ist in den letzten April- und in den ersten Maitagen von den
Alliierten Streitkräften aus der Diktatur des Nationalsozialismus befreit
worden. Diese Diktatur war der historisch einzigartige Bruch unserer
christlich-abendländischen Geschichte.


Auch in unserer Region mussten die Menschen in den letzten Wochen des
Nazi-Regimes die Hölle des Nationalsozialismus erfahren.


  • Mühlviertler Menschenhatz: Zur Hatz auf wehrlose Gefangene aus dem KZ
    Mauthausen ließen sich Menschen missbrauchen , mussten sich Menschen,
    auch noch Jugendliche, missbrauchen lassen.

  • Exekution von österreichischen Patrioten in Treffling: Noch am 1. Mai
    1945 Adolf Hitler hatte sich bereits getötet und in Wien war bereits
    die österreichische Regierung Dr. Karl Renner eingesetzt mussten
    Mitglieder der HJ Menschen aus dem Mühlviertel exekutieren, Menschen,
    die sich für den Aufbau eines neuen freien Österreich zusammengefunden
    hatten.

  • In den ersten Maitagen 1945 waren hier an diesem Ort viele tausend
    Kriegsgefangene der Deutschen Kampfverbände nach der Kapitulation des
    NS-Regimes. Gebrochene Menschen. Für diese war dieser Platz ein Ort der
    Umkehr. Dieses Wort Ort der Umkehr hat Heinz Lischke geprägt.
    Er war damals als 17- jähriger SS-ler in diesem Lager. Mag. Walter Böck
    hat vor wenigen Tagen diesen betagten Mann besucht und dabei seine große
    Befriedigung erfahren, dass wir wieder eine Feier an diesem Mahnmal
    machen.

  • Befreiungsfeier: Wir denken an die vielen Zwangsarbeiterinnen und
    Zwangsarbeitern aus slawischen Ländern in unserer Region. Sie mussten
    Zwangsarbeit verrichten, weil sie in Nazi-Doktrin Menschen einer
    minderwertigen Rasse waren.

  • Befreiungsfeier: Wir denken an viele Menschen in der Region, die hier in
    Angst vor Wahnsinnsbefehlen der Nazis lebten, in Angst vor Haft.

  • Befreiungsfeier: Wir denken an mutige Menschen, die in den Tagen nach
    der Kapitulation die Verantwortung für ein neues demokratisches
    Österreich übernommen haben. Karl Renner und Leopold Figl, der aus der
    Todeszelle befreit worden ist. Heinrich Gleissner und Ludwig Bernaschek
    in OÖ, Johann Blöchl in der sowjetischen Zone Mühlviertel und den
    Gallneukirchner Bürgermeister Johann Tikal.



In Vielfalt vereint ist die europäische Antwort gegen Rassismus



Die Befreiungsfeiern des Internationalen Mauthausenkomitees stehen in diesem
Jahr unter dem Leitthema Rassistische Verfolgung. Die
nationalsozialistische Doktrin zielte auf die Vernichtung von als wertlos
definierten Gruppen innerhalb der Bevölkerung ab. Betroffen waren Menschen
mit Behinderungen, Juden und Jüdinnen, Sinti und Roma. Die
Nationalsozialisten ermordeten neun von zehn oberösterreichischen
Zigeunern, die assimilierten wie die traditionell lebenden.



Diese Feier hat das Leitthema In Vielfalt vereint.



In Vielfalt vereint ist tragendes Motiv zum Aufbau einer neuen
Gesellschaft aus der Tragödie zur Hoffnung, zu einer Gesellschaft
unabdingbarer Menschenrechte.



Erinnerung tut Not es wird kein gutes Europa ohne Erinnerung an die
rassistischen Verbrechen geben.




Wortcollage Abschied von Sidonie.


Bettina Eigner hat mit Sabrina Grabner und Moritz Stiftinger diese
Wortcollage Abschied von Sidonie aus dem Film und Buch von Erich Hackl
vorgebracht.


In beeindruckenden Sätzen wurde geschildert, wie in den Jahren nach 1933 das
Findelkind Sidonie Adlersburg aus einer Sinti-Herkunft im Dorf Letten,
Gemeinde Sierning, in der Pflegefamilie Beirather liebevoll herangewachsen
ist und integriert in der Dorfgemeinschaft war. Aber dann in der Nazi-Zeit
strebten die lokalen und regionalen Amtsautoritäten die Abschiebung der
12-jährigen Sidonie an und damals wussten alle, dass Abschiebung in die
Vernichtung führte. In konzentrierter Stille und Betroffenheit hörte das
Publikum die Aktenvermerke der lokalen Nazi-Amtsautoritäten, wie sie in
Unterwürfigkeit und vorauseilendem Gehorsam das Kind Sidonie in die
Vernichtung exekutierten. Stille, kein Applaus folgte der Präsentation. Und
in dieser Stille intonierte das Stadtkapellchen unter Leitung von Marian
Marc Margowski Musik von John Williams Musik für den Film Schindlers
Liste.

 
 
 
 
 
 
 

Nach langem Applaus des Publikums berichtete der Festredner Ludwig Laher
exemplarisch wie in Ostmark-Gemeinden örtliche Roma und Sinti häufig in
die Vernichtung abgeschoben worden sind, aber auch dass Gemeinden ihren
Zigeunern Schutz gaben, erfolgreich Widerstand leisteten. Diese Haltung,
die Aufmerksamkeit für elementare Menschenrechte forderte Ludwig Laher
mahnend für unsere Zeit ein.


(ganzer Wortlaut)
 


John Wiliams Melodien zu Schindlers Liste im Internet:

Schindler’s Liste Soundtrack


Schindler’s List Music Video


Festrede Ludwig Laher
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