GRUNDSÄTZLICHE ÜBERLEGUNGEN
Welche Anforderungen soll ein Denkmal
erfüllen, das zwei so unterschiedliche Ereignisse reflektiert? Neben der
allgemeinen wissenschaftlichen Aufarbeitung der Verbrechen des
Nationalsozialismus ist es wichtig, dass Erinnern an individuelle Unmenschlichkeiten in der eigenen Region, als Teil eines Ganzen, immer
wieder neu zu beleben. Geschichte wird greifbarer und bietet eine
Projektionsfläche für eigenes Verhalten in der Gesellschaft – Wie hätten
wir damals gehandelt oder nicht gehandelt, wie couragiert begegnen wir
heute Verletzungen von Menschen würde. Es ist die Aufgabe der Kunst in
diesem konkreten Fall der Errichtung eines Mahnmales, einen dafür
bestimmten Ort aus seiner Unbestimmtheit herauszuholen, ihn zu einem
Kristallisationspunkt zu machen, vielleicht Fragen aufzuwerfen die sonst
nie gestellt werden. Es ist nicht Aufgabe eines Mahnmales, Dramatik oder
Betroffenheit aus- bzw. nachzustellen oder zu moralisieren. Es dient aber
auch nicht dem Zweck der Landschaftsbehübschung. Die Aufgabe eines
derartigen Denkmales besteht ausschließlich darin, Bewusstsein zu schaffen
und zu schärfen. Grundlage meiner Überlegungen zur Mahnmalgestaltung war
der historische und aktuelle Umgang mit dem eigentlichen Verbrechen, das
im Februar 1945 in unserer Region an diesem besagten Ort begangen wurde.
Die Verdrängung, das Zudecken, Verschleiern („Mühlviertler Hasenjagd“) und
das Weiterwirken von nicht Bewältigtem, die Energie Unangenehmes
zuzudecken im Wissen, dass es doch immer wieder an die Oberfläche kommt.
Die Verdrängung als „Heilige Kuh?“
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KÜNSTLERISCH – GESTALTERISCHE
UMSETZUNG
Ich habe als Gestaltungsmaterial VÖEST
Stahl gewählt. Stahl, der (in diesem Fall) ausschließlich Spuren aus dem
industriellen Verarbeitungsprozess aufweist. Ein Material, das in seinem
Entstehungsprozess alle Elemente – Erde, Feuer, Wasser, Luft- in sich
vereint und wie kaum ein anders das Universelle in sich trägt und seit
jeher als Symbol für Vernichtung, ebenso wie für sein Gegenteil steht. Ich
habe bewusst auf eine „künstlerische Handschrift“ verzichtet, um das
Material nicht zu „individualisieren“, um keine Spuren meiner eigenen
Befindlichkeiten zu hinterlassen. Zwei, schräg in die Erde versenkte
Stahlplatten erwecken die Illusion einer, durch große Krafteinwirkung in
den Boden gedrückten Fläche, deren Enden aus dem Boden ragen. Ein Zustand,
der in einer viel schichtigen Lesbarkeit verharrt. Als Resultat
konzentrierter Gewaltausübung – „In-die-Erde-gedrückt“ einerseits, aber
auch als Bild für den Verdrängungsprozess von Nichtbewältigtem
andererseits. Das andauernde Zuschütten, also unter der Erde halten, von
unangenehmen Wahrheiten, die aber immer wieder wie ein aus dem Boden
herausgearbeitetes Relikt, vor uns auftauchen und unser Denken, ob wir es
wahrhaben wollen oder nicht, beeinflussen.
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