Heinz-Lischke-Straße in Gallneukirchen

01.02.2009 | Heinz-Lischke-Straße in
Gallneukirchen
   
Heinz Lischke Straße

Am 1. Februar 2009 wurde
in einer kleinen Feier einer neuen Straße neben dem Penny-Markt der Namen
Heinz Lischke Straße gegeben. Zu diesem Anlass ist Pastor Heinz Lischke mit
seiner Familie nach Gallneukirchen gekommen. Die Verdienste von Pastor
Lischke für eine beeindruckende und zukunftsweisende Friedensarbeit hat
Rupert Huber gewürdigt. Pastor Lischke dankte dafür in markanten Worten und
schloss seinen Appell mit
dem Lied „Vom guten Kameraden“, das er auf der Harmonika vorgetragen hat.
Wir haben an das Schicksal aller Menschen in diesem Krieg zu erinnern,
selbstverständlich auch der Menschen, die sich als Feinde vernichteten. Pastor Heinz Lischke
gibt der Kultur des Gedenkens an die unheilvolle Kriegsgeschichte in der
Gemeinde Gallneukirchen wichtige Impulse und Perspektiven. Wir dürfen die
Geschichte der Menschen im nationalsozialistischen Regime nicht nur nicht
vergessen, verschleiern und verdrängen. Nein, wir haben uns um ein Europa
des Friedens und der Verständigung zu sorgen. Diesen Grundsatz lebt Pastor
Heinz Lischke hervorragend.

Heinz
Lischke ist 1945 als knapp 16-jähriger noch Soldat geworden. Indoktriniert
vom Nationalsozialismus war er überzeugt, jetzt müsse auch er gegen den
Feind, die Russen kämpfen. Nach der Kapitulation Deutschlands wollte er sich
wie viele tausend Soldaten auch an die Westfront durchschlagen. „Heim will
ich und alles vergessen“ war die Sehnsucht dieser niedergeschlagenen
Soldaten. Doch diese Soldaten wurden von den Alliierten zu Kriegsgefangnen
erklärt und der Armee, gegen die sie zuletzt kämpften, übergeben.

Der Armee
der Sowjetunion übergeben zu werden war für sie das Schlimmste. Das trieb
viele hoffnungslos und verzweifelt in den Freitod. „Wir werden dem Feind
ausgeliefert“. Feindbilder wurden den Soldaten und den Menschen unseres
Landes indoktriniert. „Wir müssen kämpfen gegen diese Feinde, gegen die
slawischen Völker, gegen die Juden und gegen die Roten, bedingungslos hart
und ohne Rücksicht auf humanitäre Rechte.“ Deren Angst war: „und diesem
Feind werden wir nun ausgeliefert und in dieses zerstörte Land“.


Gallneukirchen wurde für viele Soldaten der Ort der tiefen Niederlage. Für
Heinz Lischke ist Gallneukirchen nicht nur ein Ort der Niederlage und
tiefster Enttäuschung, sondern ein Ort der Umkehr.


Worüber und wie
berichtet Heinz Lischke?

Die wenigen Hilfen, die mutig engagierte Frauen aus Gallneukirchen den
Soldaten gegeben hatten, wurden ihm Hoffnung auf Menschlichkeit. Er
berichtet nicht nur von der Härte der Befehle bei der Übergabe in die
Gefangenschaft, sondern er hebt auch hervor, dass ihm Sowjets begegnet sind,
die Mitgefühl, Menschlichkeit gezeigt haben. Nicht alle haben nach einem
starren Feindbild gehandelt. Die Umkehr des Herrn Heinz Lischke war, dass er
in dieser bösen Zeit ein positives Menschenbild angenommen hat.

Die Schilderungen des
Pastors Heinz Lischke über das Leben in der russischen Gefangenschaft sind
für uns, die wir diese Zeit nicht erleben mussten, sehr wichtig. Er
schildert nicht nur ein Leben in großer Not, wie die Kraft zum Leben so
viele Menschen – kriegsgefangene Soldaten und russische Bürger – verlassen
hat, sondern auch wie solidarische Anteilnahme Lebenskraft gegeben hat. Er
sagt, dass diese Zeit für ihn eine Umkehr aus den alten Feindbildern, eine
Universität des Lebens geworden ist.

Es soll hier auch gesagt werden, dass Pastor Heinz Lischke im Jahr 2006 zu
den Orten seiner Kriegsgefangenschaft gereist ist, nicht nur zum Gedenken an
seine verlorenen Kameraden, sondern auch um mit Jugendlichen in der Stadt
Krasnodar als Zeitzeuge zu sprechen.

Pastor Heinz Lischke ist ein europäischer
Brückenbauer!

Die Stadtgemeinde Gallneukirchen dankt mit einem Straßennamen Herrn Pastor
Heinz Lischke!

 
Pastor Heinz Lischke und Rupert Huber