|
|
Rassismus erkennen. Farbe bekennen.
Rede im Rahmen der Gedenkfeier beim
Mahnmal für den Frieden in Gallneukirchen am 29.1.2012
von Mag. Günter Wagner
Am Beginn eines Nachdenkens
über Rassismus steht ein Widerspruch: Der Begriff leitet sich vom Wort
Rasse ab. Eine Einteilung der Menschheit in Rassen aber ist
wissenschaftlich heute nicht mehr haltbar. Rassenlehre ist spätestens mit
dem Holocaust als Irrlehre enttarnt. So haben wir es mit dem Phänomen zu
tun, dass es zwar keine Rassen gibt, wohl aber rassistisches Denken, Reden
und Handeln.
Rassismus äußert sich dort, wo Menschen nach unterschiedlichen
biologischen oder natürlichen Merkmalen definiert und bewertet werden, sei
es nach ihrem Aussehen, ihrer Herkunft, ihrer Zugehörigkeit zu einer
bestimmten Kultur oder Religion.
Ich beobachte im Wesentlichen zwei Tendenzen und verweise zunächst auf die
Europäische Wertestudie für die Jahre 1990 bis 2010. Darin wird als neue
Form von Rassismus die Kategorisierung Menschen mit Migrationshintergrund
genannt. Ich zitiere: Anders als die Staatsbürgerschaft, die durch
rechtliche Verfahren erworben und gewechselt werden kann, ist der
Migrationshintergrund ein lebenslanger Begleiter seiner Trägerinnen und
Träger. Die Kategorie (Menschen mit Migrationshintergrund, Anm.d.Verf.)
reaktiviert feudale, an der Abstammung anknüpfende, nahezu biologistische
Zugehörigkeitskategorien.
(Bernhard Perchinig/Tobias Troger, in: Regina Polak, Hg., Zukunft. Werte.
Europa. Die Europäische Wertestudie 1990-2010: Österreich im Vergleich.
Böhlau Verlag 2011. Wien-Köln-Weimar, S.303)
Anders gesagt: Wo von Menschen mit Migrationshintergrund die Rede ist, hat
bereits ein Denken eingesetzt, das Menschen auf ein bestimmtes Verhalten
aufgrund ihrer Herkunft und Abstammung festlegt. Das Urteil gilt und es gilt
für immer. Ein Beleg für diese Erkenntnis findet sich in der erst vor knapp
zwei Wochen veröffentlichen wissenschaftlichen Studie, die besagt, dass
Österreich derzeit Europameister im Bewerb Antipathie gegenüber
Migrantinnen und Migranten sei, vor Italien, Finnland und den Niederlanden.
(Autoren: Sieglinde Rosenberger/Gilg
Seeber im Rahmen der Europäischen Wertestudie 2011)
Der öffentliche Diskurs verläuft fast ausschließlich negativ: Menschen mit
Migrationshintergrund müssen: sich gefälligst anpassen, Deutsch lernen,
beweisen, dass sie arbeitswillig sind und integrationsfähig und unser
Sozial- und Gesundheitssystem nicht ausnutzen usw. usf. Was Menschen mit
Migrationshintergrund positiv und konstruktiv in die Gesellschaft
einbringen und einbringen könnten, wird nicht oder kaum thematisiert. . . .
|