Erinnerungen am Mahnmal 2020

15.06.2020 | Erinnerungen am Mahnmal 2020
     
Bundespräsident Dr. Heinz Fischer im Mai 2006
Foto Fischerlehner
 
Erinnerungen am Mahnmal -75 Jahre Befreiung vom Nationalsozialismus

Im Mai 2006 hat Herr Bundespräsident Dr. Heinz Fischer das Mahnmal für den Frieden in
Gallneukirchen der Öffentlichkeit übergeben und ermuntert zum Auseinandersetzen mit der
Geschichte von Faschismus und Krieg.

Eine Stele bei diesem Mahnmal erinnert, dass am 14 Mai 1945 die US-Armee 15.000 Soldaten
der Wehrmacht als Kriegsgefangene von diesem Patz hier den Sowjets ausgeliefert hat.
Vor 75 Jahren unterzeichnete das nationalsozialistische Deutsche Reich die bedingungslose
Kapitulation, wirksam mit 8.Mai. Damit war der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende, Europa
war aus der Nazi-Aggression erlöst und die Menschen aus der Nazi-Diktatur befreit.
Nach der Kapitulation mussten viele hunderttausende Soldaten des Deutschen Reiches zur
Reparationsarbeit als Kriegsgefangene in jenes Land, gegen das sie vor der Kapitulation
kämpften. Das haben die Alliierten in Jalta im Februar 1945 so vereinbart und das w
iderspricht nicht dem Kriegsvölkerrecht.

Das Areal des Mahnmales, das früher die „Aigner Halt“ war, besuchten schon vor diesem
Mahnmal nicht selten ehemalige Soldaten des Deutschen Reiches um zu erinnern und ihrer
Kameraden zu gedenken. Dieses Areal war und bleibt für sie ein schicksalsschwerer Ort.
Als Zeitzeugen, die hier von der US-Army zu Kriegsgefangenen erklärt worden sind,
berichteten sie in organisierten Gesprächen und niedergeschriebenen Erinnerungen. Sie
waren Soldaten im Krieg gegen die Rote Armee, waren im ständigen Rückzug. Wie sie von
der Kapitulation erfahren hatten, wollten sie nur „auf nach Westen, dort sind die US,
die werden verhindern, dass wir Gefangene der Roten Armee werden“.

   
Abtransport der Gefangenen
Foto Archiv W. Mayrhofer
 
     
Und ihre Offiziere leiteten sie dazu an, erläuterten nicht, dass mit der Kapitulation der Soldat
zu bleiben hat. Den SS-Soldaten an dieser Front wurde sogar verheißen, sie werden dann gemeinsam
mit den US gegen die Rote Armee kämpfen. Die Demarkationslinie der Alliierten war damals die
Bahntrasse Mauthausen – Budweis. An dieser Linie wurden sie von den US-Militärs entwaffnet und
nach Gallneukirchen eskortiert. Das Lager der Kriegsgefangenen war eine Wiese, mit Panzern umstellt
und bewacht. Versorgt wurden sie fast nicht. Viele erlebten sich erniedrigt niedergeschlagen und
hoffnungslos. Einige nahmen sich das Leben. Die Zeitzeugen meinen, dass an die 40.000 Gefangene
in diesem Lager waren. Die US-Soldaten seien hart und nur befehlend mit ihnen umgegangen und sie
informierten nicht, was bevorstehe. Sie sortierten die Gefangenen nach ihrem Standort am Tag der
Kapitulation. Große Marschzüge wurden in Richtung Linz abgeführt. Diese Soldaten wurden in
Kriegsgefangenenlager der US-Army eskortiert. Das erhofften auch die letzten ca. 15.000 Gefangenen
als sie zum Abmarsch befohlen worden sind. Doch sie mussten in Richtung Pregarten in bewachten
Marschblöcken ziehen. Sie waren verzweifelt, dass sie zurück mussten zur „Roten Armee, gegen die
sie feindselig gekämpft hatten. Die US-Bewacher des Zuges haben Gefangene, die ausgebrochen sind,
abgeschossen.
 
Das Mahnmal mit der Erinnerung an das Wiesenlager für Kriegsgefangene des Deutschen Reiches hat
auch Beachtung bei den US-Veteranen gefunden, die hier als Soldaten waren. Frau Anna Rosmus aus
Passau, Historikerin, lebt in den USA, betreut das Archiv der 65. US Infantry Division und der
11. US-Panzerdivision und leitet Exkursionen zum früheren Kriegsplätzen. Sie sagt über die
Soldaten, die damals in Gallneukirchen waren, dass viele jüngere waren, die zu ihrem 1. Kampfeinsatz
1945 nach Europa mussten. In nur 55 Tagen sind sie aus dem Raum Aachen bis nach Linz vorgedrungen.
Sie waren bis nach Niederbayern kaum Kämpfen mit Verlusten ausgesetzt. Aber ab Grenze zum damaligen
Oberdonau mussten sie sich mit Verlusten vorkämpfen gegen Kindersoldaten, die unter dem Kommando
der SS waren. Sie sahen oft Männer am Strang, von den SS Widerstand hingerichtet.
 
Misstrauisch zu sein war den US-Soldaten geboten. Am 4.Mai haben sie Gallneukirchen befreit und hier
das Feldlager aufgerichtet. Am Morgen des 5.Mai ist von Gallneukirchen ein Erkundungszug Richtung Enns,
ihrem befohlenen Kriegsziel, aufgebrochen. Doch diese Soldaten sind erst die Befreier der KZ Gusen I, II,
und Mauthausen geworden. In jedem Lager mussten sie eine Hölle der Unmenschlichkeit erleben. Von
Gallneukirchen aus haben deren Kommandanten die ersten Hilfsaktionen organisiert. Noch in der Nacht
zum 6.Mai hatten diese Soldaten 1800 SS-Männer, die in und um die Lager gefangen worden sind, im
Marsch nach Gallneukirchen zu eskortieren. Das Inferno in den Konzentrationslagern traumatisierte
Soldaten so sehr, dass für sie eine Sanitätsstation in Katsdorf eingerichtet werden musste. Noch
am 7Mai, wenige Stunden vor der vereinbarten Kapitulation ist noch einer ihrer Kameraden gefallen.
Die 3. SS Panzerdivision Totenkopf hatte den US-Zug in Königswiesen angegriffen.

Mit den Kampferlebnissen in „Oberdonau“ und dem erlebten Horror in den KZ-Lagern verfestigte sich in
diesen US-Soldaten ein Hass auf alle, die eine deutsche Uniform hatten.