Gedenkrede beim Mahnmal 2011

30.01.2011 | Gedenkrede beim Mahnmal 2011
   
Ohne Erinnerung keine Zukunft



Gedenkrede anlässlich der Feier des Mauthausenkomitees beim Mahnmal in
Gallneukirchen
am 30. Jänner 2011


von Sepp Wall-Strasser


„Jetz muaß doch einmal Schluss sein!“
„Heats amol auf mit dem!“
Oft gehört.


Manche sprechen diese Sätze aus rein politischem Kalkül aus, weil sie das
nicht hören wollen, was bei derartigen Anlässen angesprochen wird, weil sie
oder ihre Vorfahren ein schlechtes Gewissen haben. Manche – und
wahrscheinlich weitaus die Mehrzahl – sagen dies aus reiner
Gedankenlosigkeit und vor allem vielfach aus einem falsch verstandenen
Versöhnungswillen. Wir sollten doch einmal verzeihen! Und wer will nicht ein
verzeihender Mensch sein.


Und in der Tat: neben dem Wort „verzeihen“ klingt der antifaschistische
Leitspruch NIEMALS VERGESSEN sehr hart, erbarmungslos, verbittert.


Wieso sollen wir nicht wirklich einmal der Erinnerung an diese schrecklichen
Zeiten ein Ende machen? Was bringt diese dauernde rückwärtsgewandte
Gedenkfeierei?



Wir sollten uns, ja wir müssen uns ja wirklich auf die Zukunft
konzentrieren. Denn diese müssen wir gestalten, und dies ist heute – im
Zeitalter der großen W
irtschaftskrise 
– schwierig genug. Dazu kommt, dass wir anscheinend sparen müssen, wir
müssen uns konzentrieren auf die Bewältigung der großen Probleme, da ist es
unverantwortlich, für so was Energie und Geld zu verschwenden.

Ich
möchte euch einladen, folgende Gedanken mit mir mitzugehen.
Viele von uns sind mehr oder weniger in einem sehr christlichen –
katholischen oder evangelischen Umfeld – aufgewachsen.
Vielen von uns sind die Worte „Deinen Tod verkünden wir“ sehr vertraut, in
einem liturgischen, hochreligiösen Zusammenhang. Dabei ist es wichtig, diese
Worte aus den liturgischen Fesseln zu befreien und genau in diesem
Zusammenhang zu sehen, der uns hier zusammenführt:
Wenn einer so geschunden, gefoltert, misshandelt, ermordet worden ist wie
dieser Jesus von Nazareth, dann haben die Christen den Auftrag, diesen Tod
hinauszutragen, hinauszuschreien, zu verkünden.
Wenn jemand aber sagt: „Vergesst es, Schwamm drüber, einmal muss Schluss
sein! – der möchte einen Schlussstrich ziehen, der möchte AUSLÖSCHEN…………………………..

 
 


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