Richard Bernaschek


15.05.2005 | Richard Bernaschek

   
Bernaschek, Richard, * 12. 6. 1888 Budweis
(České Budějovice,
Tschechische Republik),  18. 4. 1945 KZ
Mauthausen (Oberösterreich),
sozialdemokratischer Landespolitiker und
Schutzbundführer in
Oberösterreich. Löste am 12. 2. 1934 die


Februarkämpfe
in Linz aus.

Literatur: K. R. Stadler, R. Bernaschek,
Odyssee eines Rebellen, 1976; H. Halbrainer und T. Karny, Gegen Bewegung.
Skizzen aus dem oberösterreichischen Widerstand gegen den
Nationalsozialismus, 1995.

Quelle: aeiou


(Österreich Lexikon)

Richard
Bernaschek. Foto, um 1930.
©
Copyright by
Christian Brandstätter Verlag, Wien
      
Richard Bernaschek

ist
im KZ Mauthausen am 18. April 1945, wenige Tage vor der Befreiung
hinterhältig mit einem Schuss von hinten ermordet worden.


Richard Bernaschek, geb. 1888,  war Schlosser, war Gewerkschafter in der
Linzer Schiffswerft, war Soldat im 1. Weltkrieg, dann führend ab 1919 im
Soldaten- und Arbeiterrat und dann ab1923 mit Rudolf Strasser leitend im
Republikanischen Schutzbund  und bis zum tragischen Ende des
österreichischen Bürgerkrieges Landesparteisekretär der Sozialdemokraten 
Oberösterreichs.


Bernaschek war hoch angesehen in der Arbeiterschaft und gehasst von den
Austrofaschisten.


Woran ist in diesem Gedenkjahr mit Richard Bernaschek zu erinnern?

Der
Republikanische Schutzbund war eine Wehrorganisation der
Sozialdemokratischen Partei. Warum brauchte eine Partei, die die Republik
mit dem Ziel nie wieder Krieg gründete eine bewaffnete Wehrorganisation?

Im
November 1918 gründeten die Sozialdemokraten gemeinsam mit anderen
Demokraten revolutionär das Recht geht vom Volk aus! – die demokratische
Republik Deutsch-Österreich. Bereits die erste Wahl 1919 machte die
Sozialdemokraten zur stärksten Partei; Dr. Renner leitete die
Koalitionsregierung.  Unter Führung der Sozialdemokraten wurde mit den
Christdemokraten ein österreichischer Sozialstaat geschaffen.


In wenigen Jahren wurde gesetzlich eingeführt:

8-Stundentag, gesetzlicher Urlaubanspruch, Arbeitslosenversicherung,
Betriebsrätegesetz, Arbeiterkammern, Mieterschutz, gesetzliche Verankerung
der Gewerkschaften.


Dieser Fortschritt musste erkämpft werden, parlamentarisch durch
Koalitionen, vor allem aber durch die Organisation der Arbeiterschaft, dem
so genannten Proletariat.


Die Arbeiter-Bewegung hatte 4 Standbeine:

Die sozialdemokratische Arbeiterpartei, die Gewerkschaften, die
Konsumgenossenschaften und die Arbeiterbildungsvereine, (mit den
Volkshochschulen und Volksbüchereien).

Die
Arbeiterräte und daraus hervorgehend ab 1923 der Republikanische
Schutzbund  hatten das Ziel, die demokratischen Einrichtungen der
Republik, vor allem die Versammlungsfreiheit zu schützen. Der Schutzbund
kooperierte auch in den ersten Jahren mit der staatlichen Exekutive.

Die
Sozialdemokratie war bald der Feind der Christlich-Sozialen und der
Deutschnationalen. Christlich-Soziale und die Deutschnationalen bildeten
bald Regierungen gegen die stimmenstärksten Sozialdemokraten. Die
Sozialdemokraten kämpften gewaltfrei für die Erhaltung des Sozialstaates,
für eine stärkere Besteuerung der Reichen – Vermögenssteuer (!). Die
Sozialdemokratie war eine politische Bewegung (Austromarxismus) und eine
autonome Kulturbewegung mit Bildungsvereinen, Sozialdemokratische Fest-
und Feierkultur, Naturfreunde, Kinderfreunde, Arbeitersportvereinen.


Sozialdemokratie will Demokratie als Prinzip, das alle Lebensbereiche
durchdringen soll.

In
der Partei der Christlich-Sozialen setzten sich Anhänger der Idee des
Ständestaates immer stärker durch. Ein Ständestaat ist nicht demokratisch,
Führung beruht nicht auf Wahl, sondern auf Ernennung von
Führungspersönlichkeiten. In diesem Kontext soll auch erinnert werden,
dass die Beamtenschaft in der Regierung Seipel, vor allem die Exekutive
von unzuverlässigen Elementen gesäubert wurde. Mit der Ideologie des
Ständestaates war der Weg  in den Faschismus, in die Diktatur
vorgezeichnet.

Die
sozialdemokratischen Politiker, aber auch die gesamte Bewegung erfuhren
vom Kanzler Seipel gehässige Kälte. Sein Nachfolger als Bundeskanzler,
Engelbert Dollfuß löste verfassungswidrig das Parlament auf und führte
Österreich in einen faschistischen Staat –  Austrofaschismus. Im Februar
1934 sollten die Parteilokale der Sozialdemokraten von der Heimwehr und
dem Bundesheer nach Waffen durchsucht werden. Richard Bernaschek im
Verband mit einigen Schutzbündlern wollte das verhindern. Ein
Schusswechsel im Linzer Parteilokal, Landstraße 36 löste einen kurzen
Bürgerkrieg aus. Der durch viele Verhaftungen geschwächte Schutzbund
unterlag innerhalb von 4 Tagen der Heimwehr im Verein mit der Exekutive.
Der Schutzbund hatte 200 Tote und 300 Verwundete zu beklagen. Über 1000
Sozialdemokraten wurden verhaftet, 9 zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Die Führung der Sozialdemokratie fand in der Tschechoslowakei Asyl.
Richard Bernaschek wurde verhaftet und die Hinrichtung nach einem
Schauprozess wie bei Kolomann Wallisch und Karl Münichreiter stand ihm
bevor.


Im Gedenkjahr ist zu erinnern, dass die österreichischen Sozialdemokraten
mit aller Konsequenz, letztlich tragisch auch mit der Waffe gegen den
Faschismus gekämpft haben. So ein Kampf gegen Faschismus war nur in
Österreich und in Spanien!


Die österreichische Sozialdemokratie kann klar sagen, immer für die
parlamentarische Demokratie eingetreten sein.


Wir gedenken des Richard Bernaschek
.

Dem
inhaftierten Richard Bernschek wurde von illegalen Nationalsozialisten vom
Gefängnis in Linz die Flucht in das nationalsozialistische Bayern
ermöglicht. Die Nationalsozialisten – in Deutschland seit 1933 Machthaber-
wollten von Bernaschek, er soll den österreichischen Arbeitern empfehlen,
den Nationalsozialisten beizutreten. Das lehnte er ab. Die Nazis rühmten
sich mit ihren Medien, den Arbeiterführer gerettet zu haben. Die
austrofaschistischen Medien verhöhnten den Arbeiterführer, für den sie
Schauprozess und Todesstrafe vorgesehenen hatten, er sei zu den Nazis
übergelaufen. Von der Schweiz aus brachte Bernaschek einen Artikel im
Umlauf: er und mehrere Genossen verdanken den österreichischen illegalen
Nazis das Leben. Er habe in Deutschland den Nationalsozialismus in Praxis
analysiert, es kann für Sozialisten keine Kooperation mit einem Faschismus
geben.


Deshalb musste Richard Bernaschek wieder flüchten, in die
Tschechoslowakei, dann nach Moskau und zuletzt nach Paris. Von Paris aus
kehrte er Richard Bernaschek nach Linz zurück. Er suchte sich eine Arbeit,
die ihm ein ständiges Reisen möglich machte. Er war Versicherungsvertreter
und dann beim städtischen Maschinenbauamt Kontroller. So konnte er führend
in der Österreichischen Freiheitsbewegung für einen Widerstand
gegen die Nazidiktatur wirken.


Wie war dieser Widerstand organisiert?

Es gab in OÖ ca. 60 Gruppen. Diese Gruppen wussten aber nicht voneinander.
Gruppenmitglieder kannten nur ihren Gruppenführer. Nur die Gruppenführer
kannten die nächst höheren Kommandanten. Bernaschek gründete und betreute
viele Gruppen.

Was
machten diese Widerstandgruppen?


  • Anregungen zur kleinen Sabotage in der Waffenproduktion und beim
    Waffentransport.

  • Verbreitung von Informationen über den tatsächlichen Kriegsstand,
    Wellenlänge der Sender der Alliierten

  • Briefe an Soldaten über den tatsächlichen Kriegsverlauf

  • Hilfe für Angehörige von Verfolgten

  • Vorbereitungen für die Übernahme der politischen Arbeit nach der
    Befreiung


Richard Bernaschek war ein mutiger und sehr erfolgreicher Agent der
Widerstandbewegung. Er hatte sogar konspirative Kontakte in die Gestapo
hinein, so konnte er viele vor einer Verhaftung retten. Das wurde ihm zum
Verhängnis. Im Juli 1944 wurde er verhaftet und in das KZ Mauthausen als
Sonderhäftling deportiert. Richard Bernaschek wurde grausam gefoltert um
Aussagen über die Organisation des Widerstandes zu erpressen. Aus Wut über
sein Schweigen wurde er abgeknallt.


Das Gedenken an Richard Bernaschek ist wichtig und aktuell!

In
das KLM wurden zwischen 1939 und 1945 etwa 1600 Österreicher aus
politischen oder religiösen Gründen eingewiesen. Unter anderen auch die
späteren ÖVP-Politiker Leopold Figl, Luis Weinberger und Dr. Felix Hurdes.
Mehr als 600 dieser Österreicher wurden hier ermordet.

 

Zusammengestellt von Mag.Rupert Huber anlässlich der Gedenkwanderung im KZ
Mauthausen am 30.April 2005